Ende 2019 standen Boris und ich plötzlich vor einer Situation, mit der keiner von uns gerechnet hatte.
Seine Firma befand sich in einer existenziellen Krise und wir wussten nicht, ob es überhaupt noch eine Zukunft für sie gab.
Bis dahin hatte ich mit dem Unternehmen kaum etwas zu tun. Ich hatte meinen eigenen Beruf und ehrlich gesagt auch nicht vorgehabt, daran etwas zu ändern.
Aber manchmal fragt das Leben nicht danach, was man eigentlich geplant hatte.
Wir mussten eine Entscheidung treffen: Aufgeben – oder gemeinsam herausfinden, ob es noch einen Weg gab.
Für mich war dabei eines klar: Wenn wir diesen Weg gehen, dann nur gemeinsam und mit einigen Dingen, die für mich nicht verhandelbar sind:
Ehrlichkeit. Offenheit. Loyalität. Vertrauen. Zusammenhalt.
Also haben wir uns entschieden, es zu versuchen.
Was folgte, waren Monate voller Herausforderungen. Wir mussten vieles neu lernen, Lösungen finden, improvisieren und immer wieder mit Situationen umgehen, auf die wir nicht vorbereitet waren.
Es gab Rückschläge, Zweifel und Momente, in denen wir beide nicht wussten, wie es weitergehen sollte.
Aber es gab auch die kleinen Schritte nach vorne.
Und irgendwann wurden aus diesen kleinen Schritten wieder Perspektiven.
Heute, einige Jahre später, ist aus der damaligen Krise längst ein neues Kapitel geworden. Die Firma steht wieder auf einem stabilen Fundament – und aus Boris und mir ist längst ein echtes Team geworden.
Was davon geblieben ist
Wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, denke ich nicht daran, wie stark wir gewesen sind.
Denn Stärke bedeutet für mich nicht, niemals zu fallen.
Ich kenne Momente, in denen ich zweifle, weine oder einfach nicht mehr kann. Ich erlaube mir diese Momente auch.
Aber ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, nicht dort zu bleiben.
Irgendwann schaue ich zurück auf all die Situationen, bei denen ich früher ebenfalls nicht wusste, wie es weitergehen soll. Und daraus entsteht wieder die Gewissheit, dass es auch diesmal einen nächsten Schritt geben wird.
Diese Zeit mit Boris hat mir außerdem etwas gezeigt, das mindestens genauso wichtig ist:
Man muss nicht alles alleine schaffen.
Zwei Menschen können gemeinsam manchmal sehr viel mehr tragen als einer allein – wenn sie ehrlich miteinander sind, sich vertrauen und auch dann zusammenhalten, wenn es schwierig wird.
Vielleicht ist genau deshalb ein Satz über die Jahre zu meinem persönlichen Leitsatz geworden:
Es gibt immer einen Weg – auch wenn man ihn nicht immer sofort sieht.
Das ist für mich Dragonangel.