Eigentlich war nie geplant, dass hier einmal so viele Pfoten durchs Haus laufen.
Manche unserer Tiere haben wir ganz bewusst ausgesucht. Manche kamen eher zufällig zu uns. Und bei anderen begann alles mit einem einfachen: „Wir können die doch jetzt nicht da lassen.“
Nicht alle, die zu unserer tierischen Familie gehören, sind heute noch bei uns. Aber jeder von ihnen hat seine ganz eigene Geschichte – und manche haben sogar dafür gesorgt, dass der nächste tierische Mitbewohner überhaupt erst bei uns eingezogen ist.
Also fangen wir am besten ganz vorne an.
Matilda – die Kleine, die eine Chance bekam

Matilda war unsere erste Katze. Ein winziges Bauernhof-Kitten, ungefähr vier Wochen alt, die Kleinste und Schwächste ihres Wurfs – und so klein, dass sie in meine Hand passte.
Durch eine schwere Infektion war eines ihrer Augen so stark geschädigt, dass lange nicht klar war, ob es gerettet werden konnte. Schließlich fanden wir einen Tierarzt, der einen damals ungewöhnlichen Behandlungsversuch wagte. Seine Garantie: keine. Unsere Überlegung: Ein Auge entfernen kann man später immer noch. Aber wenn es einmal weg ist, bekommt man es nicht wieder zurück.
Der Versuch glückte. Matilda konnte wieder vollständig sehen und entwickelte sich zu einer verschmusten, selbstbewussten Freigängerin. Und sie hatte ein erstaunliches Talent dafür, anderen Tieren beizubringen, wer zur Familie gehört – sogar unserem Streifenhörnchen Spidey begegnete sie nicht als Beute, sondern als Freund.
Moritz – fast wie ein Zwillingsbruder

Als wir 2010 auf einem Aushang des Tierschutzes Moritz entdeckten, mussten wir zweimal hinschauen. Er sah Matilda so ähnlich, dass man die beiden später fast nur an kleinen Farbmarkierungen am Schwanz auseinanderhalten konnte.
Zum Glück beschränkte sich die Ähnlichkeit nicht aufs Aussehen: Matilda nahm den sechs Monate alten kleinen Frechdachs sofort an. Die beiden wurden wie Pech und Schwefel, kuschelten zusammen und waren kaum voneinander zu trennen.
Nach Matildas viel zu frühem Tod bei einem Unfall trauerte Moritz sehr. Er wurde noch anhänglicher, lief mit uns spazieren und wich uns kaum von der Seite. Einige Jahre später sollte dann allerdings eine kleine Katze namens Mia seinen Alleinherrscherstatus beenden. Davon hielt Moritz ausgesprochen wenig. Er verbrachte immer mehr Zeit bei Nachbarn, die ihn fütterten und ihm sogar einen eigenen Platz am Fenster eingerichtet hatten. Moritz hatte sich damit praktisch selbst ein zweites Zuhause ausgesucht – und als diese Nachbarn später wegzogen, nahmen sie ihn mit.
Mia – klein, aber oho

2014 scrollte ich durch eine Tierschutzseite und Tim, damals gerade zwei Jahre alt, entdeckte das Bild einer kleinen Katze aus Bulgarien.
Sein Kommentar war ziemlich eindeutig:
„Meine Mia.“
Und damit war die Sache offenbar entschieden.
Mia ist ungefähr ein Jahr älter als Tim und begleitet uns seitdem. Sie ist erstaunlich klein geblieben, hält sich selbst aber vermutlich für mindestens doppelt so groß. Sie ist verschmust, eigenwillig, sehr auf mich fixiert und hat mich zeitweise sogar ohne Leine auf Spaziergängen begleitet.
Mittlerweile ist sie unsere kleine alte Dame. Eine chronische Kieferentzündung und Arthrose begleiten sie schon länger, aber mit entsprechender Behandlung lässt sie sich davon möglichst wenig beeindrucken.
Nachts liegt sie übrigens am liebsten direkt neben meinem Gesicht. Dass eine so kleine Katze dabei erstaunlich viel Platz im Bett beanspruchen kann, gehört zu den großen ungelösten Rätseln unseres Haushalts.
Salmi – mein Seelenhund

igentlich wollten Boris und ich 2021 noch keinen Hund.
Irgendwann schon. Aber eben noch nicht.
Dann schickte mir eine Freundin aus Kindertagen ein Foto eines kleinen schwarzen Aussiedoodle-Welpen – und unser „irgendwann“ wurde ziemlich schnell zu „jetzt“.
Als Salmi nachts bei uns ankam und wir uns zum ersten Mal sahen, war da etwas, das ich bis heute nur schwer erklären kann. Wir haben uns angesehen und irgendwie war klar: Wir gehören zusammen.
Seinen Namen bekam er von seinem damals tiefschwarzen, schimmernden Fell, das mich sofort an Salmiak erinnerte.
Natürlich liebt Salmi auch Boris und Tim. Aber er ist und bleibt ein Mamahund. Mein Schatten, mein Begleiter – und wahrscheinlich tatsächlich mein Seelenhund.
Olli & Kira – die eigentlich nicht bleiben sollten

2024 kam Boris eines Tages nach Hause und sagte:
„Schatz, ich habe zwei Katzenbabys gefunden.“
Meine erste Frage war: „Wo sind sie?“
„Noch auf der Baustelle. In einem Dämmstoff-Abfallcontainer.“
Sagen wir es so: Meine Reaktion war deutlich.
Als wir dann auch noch erfuhren, dass der Container am nächsten Tag geleert werden sollte, fuhren wir die rund 80 Kilometer zurück, räumten einen halben Container aus und holten zwei etwa sechs bis acht Wochen alte, verflohte und verwurmte Kätzchen heraus.
Mein Plan war klar: gesund pflegen und anschließend vermitteln.
Boris war sich beim Tierarzt schon nicht mehr ganz so sicher.
Und dann lernte Salmi die beiden kennen.
Er legte sich auf den Boden, die Kleinen turnten auf ihm herum – und damit war meine Vermittlungsstrategie im Grunde erledigt.
Als Olli später nach einer Impfung Fieber bekam und zitternd Schutz suchte, kroch er einfach in Salmis Bauchkuhle. Salmi blieb vollkommen ruhig liegen und ließ ihn schlafen.
Heute suchen Olli und Kira noch immer die Nähe unserer Hunde, wenn sie Trost oder Wärme brauchen.
Aus „Die können wir da doch nicht lassen“ wurde also ziemlich schnell: Die gehören jetzt zu uns.
Layla – der Wirbelwind

nd dann war unser Haushalt eigentlich endgültig komplett.
Wirklich.
Einen zweiten Hund wollte ich jedenfalls definitiv nicht.
Bis meine Freundin sich meldete: Für eine kleine Hündin war kurzfristig das geplante Zuhause weggefallen.
Nach einigem Hin und Her entschieden Boris und ich schließlich, Layla aufzunehmen. Tim und ich holten sie gemeinsam ab – natürlich mit Salmi, denn mir war wichtig, dass die beiden sich von Anfang an kennenlernen konnten.
Layla stellte ziemlich schnell klar, dass sie nicht einfach Salmi in klein ist.
Während Salmi vieles gefühlt innerhalb eines Wimpernschlags gelernt hat, besitzt Layla ihren ganz eigenen Kopf. Dazu kommt ein ausgeprägter Jagdtrieb, der dafür sorgt, dass Freilauf bei ihr sehr viel mehr Aufmerksamkeit verlangt.
Sie ist ein Wirbelwind, manchmal eine Herausforderung und gleichzeitig nicht mehr aus unserer Familie wegzudenken.
Und jeden Morgen begleitet sie uns gemeinsam mit Salmi auf unseren Spaziergängen – inzwischen meistens sehr gut gesichert.
Und neuerdings summt es auch noch …

Eigentlich könnte man meinen, mit Hunden und Katzen wäre unser tierischer Haushalt inzwischen vollständig.
Boris sieht das offenbar anders. Seit einiger Zeit hat er nämlich seine Begeisterung für Bienen entdeckt.
Dabei geht es ihm nicht darum, möglichst viel Honig zu ernten. Viel wichtiger ist ihm die Idee, den Bienen einen guten Lebensraum zu bieten und damit gleichzeitig der Natur ein kleines Stück zurückzugeben.
Sein Ziel ist, den Völkern möglichst viel von ihrem eigenen Honig zu überlassen – idealerweise so viel, dass sie gut davon leben können und möglichst wenig zusätzlich gefüttert werden müssen. Nur was darüber hinausgeht, dürfen wir vielleicht irgendwann selbst genießen.
Auch beim Umgang mit den Bienen versucht Boris, möglichst behutsam vorzugehen. Er arbeitet daran, beim Öffnen der Beuten so wenig Unruhe wie möglich ins Volk zu bringen und langfristig mit möglichst wenigen Hilfsmitteln auszukommen.
Ob seine Bienen seine Vorstellungen genauso überzeugend finden wie er, wird sich noch zeigen.
Aber eines ist inzwischen sicher:
Unsere tierische WG hat jetzt auch Bewohner mit Flügeln. 🐝
Und heute?
Wenn ich mir unsere tierische Familie heute so anschaue, fällt vor allem eines auf:
Besonders gut funktioniert unsere langfristige Tierplanung offenbar nicht.
Manche waren geplant. Manche überhaupt nicht. Manche sollten nur vorübergehend bleiben – und andere kamen dazu, obwohl wir eigentlich ganz sicher waren, dass jetzt wirklich genug Tiere im Haus sind.
Und irgendwie hatte am Ende jedes Tier seine ganz eigene Vorstellung davon, wie die Sache ausgehen sollte.
Heute gehören Mia, Salmi, Olli, Kira und Layla zu unserem Alltag. Dazu kommen inzwischen Boris‘ Bienen, die zwar nicht mit uns im Haus wohnen, aber unsere tierische Familie noch einmal um einige tausend kleine Mitbewohner erweitert haben.
Und natürlich gehören auch Matilda und Moritz zu dieser Geschichte. Sie sind heute nicht mehr bei uns, aber ohne sie hätte unsere tierische WG vermutlich nie die Geschichte bekommen, die sie heute hat.
Wenn ich eines aus den vergangenen Jahren gelernt habe, dann vielleicht das:
Ein Zuhause wird nicht unbedingt danach voller, wie viele darin leben – sondern danach, wie viel Leben darin steckt.
Und damit ist unsere tierische Familie jetzt wirklich komplett.
Ganz bestimmt.
Also … wahrscheinlich. 😉